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Zwei Wochen Sénégal im Februar
Anreise:
So, wir sind gut angekommen und nun endlich eine zeitlang in der Sonne!
Der Hinflug allerdings war noch sehr winterlich - zugeschneite Autobahn auf dem
Weg nach FRA, wo wir dann auch noch ziemliche Verspätung bekamen, da die
Maschine noch auf die Enteisung warten musste. Ulkig, wie die das machen, mit so
einem kleinen Kran mit langem Greifarm, der dann die Tragflächen enteist (auf
dem zugehörigen Fahrzug steht „N.ICE“). Zum Glück hatten wir in Casablanca ein
ausreichendes Zeitfenster von 3 Stunden (das auf ca. 40 min. dahin schmolz) für
den Weiterflug nach Dakar, so dass wir dort pünktlich gegen 23:200 h landeten.
Die Formalitäten gingen rasch und problemlos vonstatten, ich habe lediglich
einen Kugelschreiber eingebüßt, den der Grenzbeamte auf deutsch von mir
einforderte (warum hab ich Eseln ihm überhaupt einen gegeben??) und natürlich
nicht mehr zurückgab. Na gut, das ist Afrika.
Unser Taxi wartete bereits und schon brausten wir durch das nächtliche Dakar,
das noch sehr lebendig war, da die Ausgehfreudigen lt. Reiseführer immer erst
sehr spät losziehen in die Clubs und Bars der Stadt - immerhin eine lebendige
Stadt, schön, nicht so wie Dar-es-Salaam in Tanzania *gähn*. Wir wurden nur
unterwegs mal eben von einer Polizeikontrolle angehalten, die einiges an dem
klapprigen Peugeot auszusetzen hatte, so ganz verstanden wir es allerdings
nicht, da sich die beiden auf Wolof unterhielten. Aber auch das ließ sich lösen
und wir kamen schon bald im Hotel Océanic an, wo die Bar zwar leider bereits
geschlossen hatte, aber es wurde noch jemand geschickt, um uns ein Bier und
Wasser zu holen, sehr nett.

Île de
Gorée
Am folgenden Tag sind wir mit der Fähre auf die ca. 3 km entfernte Île de la
Gorée gefahren, die ehemalige Sklaveninsel mit dem berühmten Maison des Esclaves
und der "Tür ohne Wiederkehr", was neueren geschichtlichen Nachforschungen
zufolge jedoch ein Mythos sein soll, da es angeblich in diesem Haus niemals
massenweise gefangene Sklaven gab, die von dort aus nach Übersee verschifft
wurden Wie dem auch sei, dennoch ist die Insel heute ein wichtiges Symbol für
die Geschichte der Sklaverei; v.a. aber ist sie heute von ihren Gebäuden und
ihrem Flair her wunderschön und erinnert
mit ihren ockerfarbenen Häusern stark an die Provence oder den Lubéron in
Südfrankreich, dazu blühen überall in den schmalen Gassen farbenprächtige Blumen
und es herrscht eine wunderbare Ruhe, da es keine motorisierten Fahrzeuge gibt.
Wirklich ein sehr schöner, lohnenswerter Ausflug!

Dakar
Gestern waren wir mit einem lokalen Guide (Oumar) den ganzen Tag über in der
Stadt unterwegs, kreuz und quer durch Dakar, auch in nicht-touristische
Wohngegenden, wo wir dann auch im Haus von Verwandten von ihm spontan zum
Mittagessen eingeladen wurden - das war sehr schön: Wir saßen alle auf dem Boden
um einen riesigen, runden Teller mit Reis, Hühnchen und Fisch, dazu gab es
leckere Soße. Eine sehr nette Erfahrung, ähnlich der aus Laos, wo wir ja auch
mal bei einer Familie spontan zum Essen eingeladen worden waren. Wie auch dort
sind die Leute hier im Sénégal sehr gastfreundlich und an Fremden interessiert,
nur was in Dakar schon lästig werden kann sind die vielen fliegenden Händler und
Guides, die alle was von einem wollen und die man kaum los wird (auch ein Grund,
warum wir uns dann bei Oumar gesagt haben, dass wir uns von ihm begeleiten
lassen, zumal er keine Geldforderungen gestellt hatte und eine sehr Netter ist.
Natürlich haben wir ihm am Abend, nachdem er uns noch in eine ganz winzige,
authentische Bar geführt hatte ("Bar" ist etwas irreführend, es war eher eine
Bretterbude am Straßenrand), wo es sehr nett war und Musik von Youssou N'dour
gespielt wurde, einer der bekanntesten Söhne Dakars.

Fahrt
nach Saint-Louis
Heute
verließen wir Dakar erstmal um gen Norden nach Saint Louis zu fahren, wo wir ein
paar Tage bleiben möchten. Dummerweise war der Zeitpunkt sehr schlecht gewählt,
da wir nicht gewusst hatten - und worauf auch keiner der beiden Reiseführer, die
wir dabei haben, hingewiesen hat , dass gerade ein riesiges, religiöses Festival
in der Stadt Touba stattfindet, wo ca. 2 Mio. Menschen hinpilgern... -
Konsequenz: Dakar leert sich gerade rapide und jegliches Gefährt kennt nur noch
ein einziges Ziel: Touba!
Tja, wir wollten es aber dennoch versuchen und Oumar unterstützte uns dabei,
d.h. er fuhr erstmal mit uns im Taxi zum zentralen Gare Routière, von wo all die
Buschtaxis losfahren. Dieser von zahllosen Auto“wracks“ übersäte Platz ist
ziemlich übel und man wird vorab gewarnt, größte Sorgfalt walten zu lassen, v.a.
wenn man mit all seinem ganzen Gepäck dort aufschlägt. Es ist halt auch ziemlich
müllig dort und der Geruch der zahlreichen Wasserlachen lässt Übles erahnen ...
(es regnet z.Z. nicht in Dakar ...).
Wie befürchtet fuhr auch alles, was Räder hatte, ausschließlich nach Touba, zu
krass. Wir hatten ja ganz authentisch in einem Buschtaxi der Art "sept-place"
(uralt Peugeots 406) fahren wollen, die ihrem Namen nach für 7 Fahrgäste
bestimmt sind und auch erst losfahren, wenn diese drinsitzen. Nun, es endete
damit, dass wir quasi das ganze Buschtaxi, also sämtliche sieben Plätze, kaufen
mussten, um damit nach Saint-Louis zu gelangen, wodurch zwei bereits darin
sitzende Fahrgäste nach Touba ihr Gefährt verloren und kurzerhand
rausgeschmissen wurden ... „TIA“ – this is Africa … Nun denn, immerhin
hatten wir dann ausreichend Platz darin und haben unterwegs auch noch jemanden
mitgenommen – wie es nachher aussah, hat ihm der Fahrer aber dennoch was für die
Fahrt abgeknöpft, obwohl wir ja quasi alle Sitze gekauft hatten und ihn
natürlich umsonst mitgenommen hätten ... Aber solche regeln gibt es hier nicht,
wenn’s ums Geldmachen geht.
Bis wir
aus dem Großraum Dakar raus- bzw. von der Halbinsel über den schmalen
„Flaschenhals“ runterkamen, gingen erstmal fast zwei Stunden im Stau ins Land,
da die Straße nach Touba zunächst den selben Weg nimmt und da ging natürlich
nichts mehr. Das muss schon ein Wahnsinns Festival sein - so viele Menschen, die
an einen Ort pilgern, wäre sicherlich interessant – hätte man es im Voraus
gewusst und rechtzeitig eine Unterkunft gebucht, was man jetzt natürlich
vergessen kann.
Unsere
Fahrt nach Saint-Louis dauerte dann insgesamt. ca. 5 Stunden und verlief recht
unspektakulär. Man sieht unterwegs aber viele schöne, dicke Baobab-Bäume, viel
Sand,
hier rund da kleine Orte, bunte Märkte, Ziegen, Esel, Pferdekarren usw ... Ganz
ulkig fanden wir immer die winzigen Metzgereien am Straßenrand, wo große
Fleischteile und Tierhälften einfach so von der Bretterbude baumelten. Aber das
Fleisch an sich sah gut aus.
OK, ich muss mal eben zum Ende zu kommen: Wir sind nun also in Saint-Louis und
werden die Tage mal schauen, was es hier alles zu sehen und zu unternehmen gibt
- aber ein bisschen Erholung soll hier auch mal sein, darum haben wir ja auch
das außerhalb auf der Landzunge Langue du Barbarie gelegene Hotel Mermoz für
fünf Nächte gebucht.

Saint-Louis
Heute haben wir zu Fuß die Altstadt von
Saint-Louis erkundet, die auch ein Unesco-Weltkulturerbe ist wie die Insel Gorée
bei Dakar, und entsprechend schön und malerisch sieht es dort aus:
Unglaublich schöne, alte Häuser in Gelb- und Orangetönen mit grünen oder blauen
Fensterläden, wenig Autoverkehr, Frauen in bunten Gewändern und ebensolchen
Kopftüchern bzw. schon kunstvollen Turbanen, Pferdekarren und -kutschen, sehr
stimmungsvoll, dazu der Sénégal-Fluss, der dem Land seinen Namen gab, mit
unzähligen Fischerbooten.
Der Weg zu unserem Hotel führt am großen Fischmarkt vorbei, wo die Fischerboote
immer an- und ablegen. Da muss man sich manchmal fast die Nase zuhalten, aber es
gibt viel zu schauen und es ist auf jeden Fall interessant, dort vorbei zu
schauen, wenn der Fisch in die bereit stehenden Laster in triefenden, Eis
gekühlten Kisten und Körben verladen wird.
Die Leute hier sind viel weniger aufdringlich als in Dakar und man kann immer
wieder nette Schwätzchen halten, viele möchten sich auch einfach nur
unterhalten, das ist schon
sehr nett.
So denn, mal schauen, was dieser Abend noch bringen wird, morgen wollen wir
evtl. mal eine kleine Bootsfahrt in einer Piroge zu den Mangroven unternehmen.
Das Meer ist hier sehr rau, bislang haben wir lediglich den Pool getestet, der
auch gut frisch ist, was aber gut tut, nach so einem Tag in der Stadt, denn die
Sonne brennt schon recht gut vom Himmel -sehr angenehm nach dem Winterwetter
daheim!

Saint-Louis
Heute
haben wir einen recht entspannten Tag verbracht, waren mal wieder die letzten
beim Frühstück und haben anschließend eine kleine Bootstour auf dem Sénégal
unternommen. Der Fluss ist hier kurz vor der Mündung ins Meer sehr breit und an
der Stelle, wo er mit dem Meer zusammen fließt, sehr unruhig und kabbelig, die
Nussschale schwankte einige Male etwas hin und her, dann drehte unser Bootsmann
aber glücklicherweise ab und wir fuhren vorbei an kleinen, einfachen
Fischerdörfern in die Mangroven, wo es wieder wunderbar ruhig und still war und
wir u.a. Pelikane, Kormorane und Reiher beobachten konnten. Ein netter, kleiner
Ausflug.
Am Nachmittag nutzten wir auch mal den Pool der Anlage und aalten in der Sonne,
um dann wieder ein Taxi in die Altstadt zu nehmen. Die Taxen hier sind echt die
heruntergekommensten Wracks, in denen wir jemals in einem Land gefahren sind -
dagegen sind die ollen Autos in Myanmar noch in gutem Zustand. Wir sind hier
noch in keinem Gefährt mit intakter Windschutzscheibe gefahren, und dann
natürlich stets überall total zerbeulte und bunt zusammen geschweißte
Karosserien, diesmal auch noch komplett fehlende Innenverschalung - aber gute
Mucke an Bord!
Wir haben uns heute Abend auch bei jemandem, mit dem wir uns etwas unterhalten
hatten, der in einem der Restaurants arbeitet, einen Stapel CDs mit
senegalesischer Musik bestellt, die er uns bis morgen besorgen will (ich hab ihm
eine Anzahlung machen müssen…) - insh'allah. Eine sehr gute CD haben wir gestern
Abend schon im Restaurant gehört und waren begeistert. Souleyman Faye oder so
ähnlich heisst er, singt u.a. eine sehr witzige Version des Klassikers „Ne me
quitte pas“ von Jacques Brel.
Ansonsten haben wir einfach das abendliche Flair der Altstadt genossen, in einem
der ganz winzigen, von einheimischen Familien betriebenen Restaurants gegessen,
die sehr lecker und preisgünstig sind. Das senegalesische Essen schmeckt
wirklich sehr gut und durch die Franzosen gibt es auch europäische Einflüsse,
z.B. Entrecôte, filet mignon, etc ... Leider sind abends nie viele Gäste dort,
anscheinend bleiben die meisten Touristen im Dunklen lieber in ihren Resorts
oder den vermeintlich "sicheren" und teuren Touristenrestaurants, schade
eigentlich.
Wie bereits gesagt ist das Land sehr arm und je öfter wir an diesem Fischmarkt
und dem
dazugehörigen Dorf vorbeikommen, desto mehr denke ich, dass es irgendwie schon
fast slum-ähnlichen Charakter hat. Dieser Fischmarkt riecht teilweise wirklich
extrem nach Verwesung, dazu wird halt auch noch Fisch gedörrt, was auch nicht
gerade lieblichen Duft produziert, vieles wirkt schon sehr, sehr
heruntergekommen und es wohnen dort sehr viele Menschen, umgeben von viel Müll.
So denn, heute geht's mal zeitig zu Bett, da wir morgen früh in den Réserve
National du Djoudj fahren werden, dem drittgrößten Vogelschutzgebiet der Welt.
Ha, da werden die im Hotel morgen aber Augen machen, wenn wir um sieben zum
Frühstück aufschlagen - die Letzten werden morgen mal die Ersten sein! 

Saint-Louis
Gestern
waren wir wie gesagt in dem Vogelnationalpark von
Djoudj, wo wir tausende von Seevögeln sehen konnten, v.a. die riesigen
Pelikankolonien waren sehr beeindruckend und interessant zu beobachten - wie sie
in der Gruppe gemeinsam nach Fischen tauchen (Köpfchen unters Wasser,
Schwänzchen in die Höh’ ... ),
ihren noch zappelnden Fang hinunterschlucken, wie sie auf dem Wasser starten und
landen (ähnlich dem Albatros aus Bernhard & Bianca - aber nicht ganz so
tollpatschig), knapp über der Wasseroberfläche mit weit ausgebreiteten Schwingen
dahinsegeln, schöne Tiere!
So, heute müssen wir uns mal entscheiden, wohin es morgen gehen soll, es stehen
so viele Optionen zur Auswahl, mal schauen, was es letztendlich wird.
Das Fischerdorf war gestern übrigens sehr aufgeräumt, weitgehend gefegt und
gesäubert und sah auf einmal wieder wie ein ganz normales afrikanisches Dorf aus
*staun*. Es hängt wohl stark davon ab, ob gerade der frische Fang in die
Kühl-LKW verladen wurde und der Fisch dann massenweise auch auf der Straße liegt
und es aus den Kühlboxen und Körben trieft, ebenso aus den LKW, alles vermischt
mit Blut, dazwischen huschen Frauen umher und sammeln das Verwertbare zum Dörren
von der Straße auf, das Gegräte bleibt dann halt erstmal liegen ...
Tja, so ist halt ein einfacher Fischmarkt, wenn der Fang nicht schon wie bei den
großen Fangflotten auf Hoher See sortiert und schockgefrostet wird. Irgendwie
relativiert dieses tägliche Sehen der Abläufe hier für mich die Bilder aus dem
(nicht unumstrittenen) Dokumentarfilm „Darwin’s Nightmare“, die mich ja beim
ersten Sehen ziemlich schockiert hatten. Nun hingegen kommt mir manches deutlich
weniger spektakulär und schlimm (und um so mehr in Szene gesetzt) und einfach
normaler, alltäglicher vor.
Wettertechnisch ist es die letzten Tage
immer heißer geworden, gestern waren es bestimmt ca. 39 Grad. Sogar gestern
Nacht war ausnahmsweise T-Shirt-Wetter, was wir bislang hier in Saint-Louis noch
nicht so gehabt hatten, da war abends schon immer ein langärmeliger Pulli
angesagt. Heute ist es auch heiß, aber es weht ein sehr starker Wind. Zum Glück
machen wir heute keine Bootsfahrt denn das Meer ist heute noch wilder als sonst,
also ich war bislang nicht richtig drin, vielleicht ein Argument dafür, dass wir
morgen an die lieblichere Petite Côte fahren sollten und doch nicht ins
Landesinnere, obwohl Podor mich sehr reizen würde. Nicht dass es in Podor nun
die Top-Sehenswürdigkeiten gäbe, nein, einfach vom Flair her (wahrscheinlich ist
es eher langweilig – aber man müsste es halt selbst erleben). Aber ein bisschen
mal im Meer baden wär halt auch schön, seufz …
Die bestellten CDs wurden übrigens gestern tatsächlich gebracht - und er wollte
natürlich zusätzlich zum Restbetrag direkt noch nen Schein drauf haben wg.
Blabla-Ausrede, alles war ja viel teurer als gedacht etc ... *seufz* ... T.I.A.
halt.
Ich bin mal gespannt, ob sie auch laufen,
aber das wird sich erst zuhause zeigen, denn wir haben kein Abspielgerät dabei,
freue mich aber schon sehr auf die Mucke!
Wir werden also morgen so zeitig wie möglich zum Busbahnhof fahren und hoffen,
dort ein Buschtaxi nach Thiès zu bekommen, von dort aus ein weiteres nach Mbour
und dann noch die letzten Kilometer ein Taxi nach Nianing nehmen, bin mal
gespannt, wie das klappt!
Hier ein Taxi zu haben ist schon auch manchmal witzig – denn man soll bloß nicht
glauben, man hätte es unbedingt für sich alleine, da kommt schon ab und an der
eine und andere dazu. Heute kamen wir auch in ein Taxi, wo bereits eine
Afrikanerin drin saß, dazu dann wir beide und noch zwei - wieder in so einem
Wrack ohne Innenverschalung und diesmal sogar ohne Motorhaube. Dann hat die Frau
sich beim Fahrer beschwert, weil ihr vereinbarter Preis höher war als der unsere
und sie hat ihn dauernd von hinten mit dem Stängel, den sie die ganze Zeit über
im Mund gekaut hat, in den Nacken gepiekt - es war sehr lustig!
Es ist hier auch so, dass die Leute nichts damit anfangen können, wenn du ihnen
auf ihre Frage, in welchem Hotel du wohnst, dann im nächsten Atemzug sagst, dass
du morgen zum Busbahnhof fährst um ein Buschtaxi zu nehmen, das passt wohl
nicht, ein vergleichsweise teures Hotel und dann ab ins Buschtaxi. Aber so
machen wir es halt.

Nianing
Wir sind
heute also an die Petit Côte südlich von Dakar gefahren. Und wieder hat mein „Sept-Taxi-Erlebnis“
nicht geklappt, da der Fahrer, der uns vom Hotel zum Gare routière brachte,
einen guten Preis für die komplette Fahrt nach Nianing gemacht hat … *grrrr*
Aber die Bequemlichkeit hat gesiegt, ich gestehe es ein … (v.a. aber bei Max!).
Podor im
Landesinnern wäre wie gesagt auch reizvoll gewesen, aber dann hätten wir wieder
zurück nach Saint-Louis gemusst und somit wäre noch ein weiterer Tag nur mit
Fahrerei draufgegangen, das ist dann doch blöd, wenn man nur so wenig Zeit hat
und das Rumreisen doch relativ zeitintensiv ist, da es im Sénégal leider kein
richtiges Bussystem gibt, ebenso keine Bahnverbindungen (mehr).
So sind wir also in das kleine Fischerdorf Nianing gefahren, das im Gegensatz zu
anderen Orten an der doch sehr touristischen Petite Côte noch vergleichsweise
authentisch ist, wohl sind aber natürlich Touristen da, diesmal sogar auch ein
paar Deutsche, sonst aber alles nur Franzosen um einen herum.
"Authentisch" - das bedeutet hier dann aber auch, dass man leider keinen schönen
Traumstrand zum Baden hat, im Ortsbereich liegen halt Fischerboote am Strand,
dazu Müll und das übliche Fischgegräte, sehr schade ... Das Meer ist aber auch
hier wieder mal nicht besonders lieblich, die Wellen klatschen ganz schön an
den Strand, wirklich schwimmen ist da nicht wirklich angenehm. Wir sind dann zum
Baden und am Strand liegen an den gut instand gehaltenen Strand eines großen
Feriendorfs für französische Pauschaltouristen gegangen, d.h. wir sind halt
einfach reinmarschiert in die riesige Anlage und haben uns einen ruhigen Tag
gemacht, auch wenn wir uns dort insgesamt gesehen nicht sehr wohl fühlten, ist
einfach nicht unser Ding, so eine Club Med- oder Neckermann-Atmosphäre. Aber der
Strand war ganz schön!
Vorgestern haben wir uns ein ziemlich exklusives Abendessen am Meer
gegönnt - nur wir beide, kein elektrischer Strom, nur Feuer und Kerzenlicht ,
lecker Essen und das leise Rauschen des Meeres und unzählige Sterne - wunderbar!
Organisiert war das Ganze von so einem riesigen Sénégalesen, der verdammt gut
Deutsch konnte, da er - wie so mancher hier - vor Jahren in dem sagenumwobenen
deutschen Luxusclub „Aldina“ für luxusorientierte Neckermänner gearbeitet hat.
Jedenfalls hatte der uns am Straßenrand angelabert (etwa der siebte, der uns auf
ca. 500 m angesprochen hatte) und wir haben uns gedacht, warum es nicht mal
versuchen, und so hatten wir spontan zugesagt. War nicht ganz billig, aber nun
ja … - ich habe den Preis bereits verdrängt, denn ich gebe zu, ein wenig hat er
mich schon gewurmt, trotz des Erlebnisses.
Ansonsten lässt man es hier in Nianing halt ruhig angehen, spaziert durchs Dorf
und hält Schwätzchen mit den Leuten. Die Senegalesen sind sehr freundlich und
kommunikativ, überall Händeschütteln und sich austauschen - und natürlich hat
fast jeder irgendeinen Laden oder will einem einen Trip mit der Kutsche o.ä.
andrehen, ok, da muss man durch, aber es nimmt einem keiner übel, wenn man
ablehnt, das Gespräch und Händeschütteln sind wichtger. Mir gefallen in so
kleinen Dörfer immer die vielen kleinen Läden mit den aussagekräftigen Bildern
dazu (also z.B. die Frisurenbilder bei Friseursalons, Fleischabbildungen an
Metzgereien etc. – schön bunt und kreativ und typisch Afrika) und natürlich die
Herzlichkeit der Menschen. Interessanterweise leben in Nianing augenscheinlich
auch mehr Christen als sonstwo im Land, was man u.a. daran erkennt, dass hier
auch etliche Schweine herumlaufen. Ansonsten ist das Land ja zu ca. 95%
muslimisch.
Hach ja, nun bleibt uns leider gar nicht mehr viel Zeit. Morgen werden wir
wieder gen Dakar fahren, aber diesmal unterkunftstechnisch nicht in die city
rein, sondern wir wollen auch mal in einem Außenbezirk sein. Irgendwie würde ich
auch gerne dann mal an den Pointe des Almadies wandern, wenn das geht, den
westlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents.
So, und heute abend gibt’s hier irgendeine Trommel-Tanzveranstaltung, mal
schauen, was das gibt. Irgendwie kommt man sich vor, als kenne man schon das
halbe Dorf hier.

Ngor
Wir sind
nun also wieder auf der Dakar-Halbinsel und zwar im Stadtteil Ngor, wo wir auch
gerade noch so ein Einzelzimmer in der gewünschten Unterkunft „La Madrague“
bekommen konnten. Das Zimmer ist aber von der Größe her ok und das Hotel liegt
ganz schön am Meer bzw. an der Bucht von Ngor gegenüber der kleinen Île de N'Gor.
Wir haben heute einen ausgedehnten Spaziergang bis hin zum Pointe des Almadies
unternommen, was ganz interessant war, da wir den Weg nur von der Minikarte im
Lonely Planet ersehen konnten und uns entsprechend Pi mal Auge durchgeschlagen
haben. Zunächst ging es durch enge, verwinkelte Gassen, fast schon im
Zanzibar-Stonetown-Stil, nur dass die Häuser nicht so schön sind und es keine
asphaltierten Wege gibt, sondern nur Sandwege, wie übrigens überall in den
Seitenstraßen der Wohnviertel Dakars. Ganz schön anstrengendes Gehen darin und
man versandet dabei ziemlich, dazu haben wir uns natürlich auch ein paarmal
verfranst und sind in den Höfen der Menschen, die hier wohnen, gelandet. Die
haben sich wohl auch gewundert, wer da bei ihnen hineingeschneit kommt...
Französisch wird hier auch nicht mehr unbedingt gesprochen, was aber vor allem
angenehm war: In diesem Wohnviertel wurden wir mal von niemandem angesprochen,
der uns irgendwas andrehen oder verkaufen wollte. Das wird hier nämlich
allmählich doch lästig, wenn man keine paar Schritte gehen kann, ohne dass schon
wieder jemand was von einem will. Da muss man dann auch lernen, die Leute oder
Bettelkinder schlichtweg zu ignorieren oder schon auch mal etwas rüde werden,
auch wenn man das eigentlich gar nicht möchte. Aber selbst die Afrikaner
handhaben das so, anders scheint es nicht zu funktionieren.
Nun denn, wir fanden allmählich unseren Weg durch die Sandwege, vorbei an
unzähligen kleinen Läden, Bäckereien, Friseurbuden etc ... Dann standen wir
allerdings vor einem riesigen Brach- bzw. Bauland, wo gerade mehr oder weniger
eifrig viele, viele Häuser gebaut werden - dazwischen lag viel Müll und
entsprechende Gerüche hingen in der Luft. Nun gut, wir sind durchgegangen, Füße
sind ja zum Glück abwaschbar (= das war die Erkenntnis aus Myanmar am Mt. Popa,
wo auf den Treppen so viel Affenkacke gelegen hatte, man aber die Schuhe
ausziehen musste, da es ein Tempel war …). Wir haben da wenig Berührungsängste -
in Dakar city sind wir mit Oumar ja auch anstandslos entlang der Stadtautobahn
gegangen mit all ihrem Müll und demolierten Unfallwracks am Straßenrand.
Die
Gegensätze hier sind schon extrem krass: kaum endet der Müll, beginnen schon die
hohen Mauern der teuren und edlen Villen, vor denen die Wächter sitzen und wo
nur teure Autos fahren. Der Stadtteil Les Almadies soll einer der begehrtesten
Dakars sein, deshalb wohl auch der Bauboom, aber so wie es da momentan aussieht,
würde es uns da nicht gefallen. Klar, im Innern der Hochsicherheitstrakte ist
das Leben sicherlich in Ordnung und wenn man sich nur mit einem fetten 4x4
hinausbewegt, bekommt man auch nichts von der unmittelbaren Nachbarschaft mit -
was ich wiederum auch irgendwie verstehen kann, will man dann ja auch nicht
ständig. Aber das ist es ja immer in Afrika, die Gegensätze prallen nah und
extrem aufeinander.
Dennoch - den Müll hier finde ich schon extrem, das war in anderen afrikanischen
Ländern nicht so, und die sind auch arm (z.B. Rwanda). Hier könnte einigen
Dörfern oder Gegenden mal eine Gemeinschaftsaktion nach dem Motto "Unser Dorf
soll schöner werden" (und damit auch gesünder, lebenswerter) nicht schaden.
Aber zurück zu unserem Spaziergang: Wir erreichten schließlich den Pointe des
Almadies und damit den westlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents – na ja,
ich würde mal sagen: Sie haben leider mal wieder nichts draus gemacht. Ein paar
Cafés und Restaurants - Letzteres eher zu hochpreisig, erstere leicht schabbelig
- den unvermeidlichen Souvenirmarkt, den wir erst gar nicht betraten, das war's
auch irgendwie. Da könnte man mehr draus machen bzw. was Schöneres, wie so oft.
Aber das Meer ist schön, aber halt auch wieder wild. Eigentlich wäre es schon
ein netter Ort zum Verweilen, wie gesagt, wenn ...
So gingen wir wieder zurück, diesmal entlang der Teerstraße, vorbei an den
Villen und Residenzen, bis wir auf die belebte Ringstraße trafen, die u.a. zum
Flughafen führt und uns wieder nach Ngor zurück brachte.
In Ngor gibt es ein paar Hotels, die üblichen kleinen Einzelhandelsgeschäfte,
dazu "Hochleistungs"-Supermärkte, die v.a. viele Importprodukte aus Frankreich
führen (Weine, Ricard, Kosmetikartikel, Käse, Joghurt, Panzani-Nudeln, etc..) -
man bekommt hier eigentlich alles, was man so an "Luxus" braucht, wenn man's
bezahlen kann. Dazu gibt es einige sehr gute Restaurants mit Fischspezialitäten
oder internationaler Küche (v.a. französisch oder italienisch) und
Ausgehmöglichkeiten. Ja, Dakar ist schon eine Stadt der Gegensätze. Und nahezu
jedes Hotel hat kostenloses wifi, handys sind eh weit verbreitet - und daneben
sind wieder die einfachen Wellblechhütten der Ärmsten ohne Strom und Wasser, von
Müll, Staub und Sand umgeben.
Klingt jetzt vielleicht etwas negativ - ist aber gar nicht so gemeint, ich
versuche einfach nur das wiederzugeben, was wir gesehen haben. So ist Afrika
eben einfach auch und man sollte nicht nur mit rosaroter Brille hinkommen,
insbesondere nicht in die Städte, sonst ist man zu schnell schockiert oder
enttäuscht. Die Leute haben trotzdem i.d.R. immer noch ein Lächeln übrig und
selbst im vermeintlichen Chaos funktioniert doch vieles mehr, als man zunächst
glauben möchte, das finde ich u.a. immer weder faszinierend.

Ngor
Wir
haben heute noch mal schön entspannt Sonne getankt und die Annehmlichkeiten des
schönen Hotelpools und der Sonnenterrasse direkt am Meer genossen. Es gibt zur
Bucht von Ngor hin zwar auch einen kleinen Sandstrand direkt vor der Haustüre,
aber so prickelnd zum Baden finden wir das hier doch nicht, zumal wir auf unsrem
gestrigen Spaziergang ja gesehen haben, wo der Hausmüll so hinfliegt …
Doch der Blick vom Hotel in die Bucht ist sehr schön, hat eigentlich etwas
mediterranes mit den vielen kleinen vor Anker liegenden Motorbötchen. Die Bucht
an sich ist auch schön, direkt gegenüber die kleine Insel, zu deren beiden
Seiten sich an der Begrenzung der Bucht die Wellen brechen, so dass das Meer im
Innern sehr ruhig ist. Am Strand sind v.a. etliche Sportler teilweise den ganzen
Nachmittag über in der Hitze am trainieren. Einer war mit zwei selbst gemachten
Hanteln aus Blechdosen mit irgendetwas schwerem, vermutlich Beton, gefüllt,
zugange.
Gegen Abend strömen dann die Fischer an den Strand, um zur nächtlichen Fangfahrt
aufzubrechen.
Einige, jedoch nicht alle, sind mit dickem Ölzeug und Gummistiefeln bekleidet,
was man hier nachts auf dem Meer sicherlich sehr gut brauchen kann , da es
abends auch am Strand schon recht windig und kühl wird. Mir kommen die Fischer
sehr wagemutig vor mit ihren Holzbooten, die mit 15-25 Mann gefüllt dann durch
die draußen tosende Brandung aufs offene Meer hinaus fahren, das wäre definitiv
nichts für mich, allein schon die Kälte und die Wellen in dem schmalen Boot,
Nässe, Dunkelheit - ein harter Job.
So, morgen ist dann leider auch schon unser letzter Tag. Werden wohl noch nein
bisschen rumlaufen bzw. im Taxi fahren, z.B. zu den einzigen zwei kleinen Hügeln
des Stadtgebiets (Les Mamelles), von welchen aus man einen guten Ausblick auf
die Stadt haben soll.
Als Fazit können wir sagen:
Ja, es hat uns gefallen im Sénégal. Die Menschen sind unglaublich freundlich und
ausgesprochen kommunikativ. Die Freundlichkeit ist fast beschämend, wenn man so
verfolgt, wie z.B. ein gewisser kleiner Franzose namens Sarkozy über Ausländer
in Frankreich spricht und auch entsprechend handelt (und es leben dort sehr
viele Senegalesen), die Leute hier wissen das sehr genau. und natürlich kommt es
nicht gut an.
Vor allem haben uns die schönen alten Kolonialbauten auf Gorée und in
Saint-Louis gefallen, aber auch der Nationalpark mit den unzähligen Pelikanen
und nicht zuletzt immer wieder die Begegnungen mit den Menschen und die kleinen
Einblicke in ihre Lebenswelt.
Natürlich haben wir in der kurzen Zeit nur einen Bruchteil sehen können -
interessiert hätten uns z.B. noch der Ort Podor am nördlichen Lauf des
Sénégal-Flusses sowie die Casamance ganz im Süden, wo der klimatische Übergang
zu den wechselfeuchten Tropen liegt und es insgesamt grüner ist als im übrigen
Land – und evtl. sind da auch die Strände schöner und das Meer lieblicher.
Aber auch wenn man nicht so viel Zeit hat ist es ein gutes Reiseziel, wenn man
mal möglichst schnell dem Winter in Europa entfliehen möchte. Jedoch: Für
ausgesprochene Strandliebhaber wiederum weniger, vielleicht dann im Süden die
Casamance, aber das haben wir ja nicht gesehen. Auf jeden Fall freuen sich die
Leute stets, wenn man ein bisschen im Land rumfährt und sich die Touristen auch
man aus ihren Hotelanlagen hinaus wagen, um das afrikanische Leben zu sehen -
das machen mitunter wohl leider viel zu wenige, insbesondere nicht die
französischen Pauschaltouristen, deren Resorts die Afrikaner nicht ganz
untreffend Gefängnisse nannten.
Französischkenntnisse sind auf jeden Fall von Vorteil, je mehr desto
besser, denn andere europäische Sprachen werden kaum gesprochen.
Zum Preisniveau können wir sagen:
Es ist hoch, vergleichbar mit Europa, v.a. für Unterkunft und Essen und v.a. in
Dakar.
Extravaganzen wie weite Taxifahrten zahlt man auch entsprechend, innerstädtisch
sind sie aber ok, abhängig vom Verhandlungsgeschick und der Art des Taxis, neben
den offiziellen gelben gibt es auch irgendwelche Wracks (taxi clandestine), die
günstiger und auch nicht schlechter sind.
Generell
ist das öffentliche Transportsystem nicht gerade der Hit, als
"Luxusklasse" der öffentlichen Transportmittel gilt das Sept-place-Taxi, auch
wenn man dem als Fahrgast nicht unbedingt zustimmen würde. So kostet das
Umherfahren eben auch vor allem etwas Zeit und Geduld.
Da das Malariarisiko ganzjährig als hoch gilt, haben wir eine Prophylaxe
mit Malarone gemacht bzw. werden damit noch eine Woche lang dran sein.
Allerdings haben wir kaum einen Stich abbekommen, aber vielleicht ja auch nur
Glück oder Autan und NoSkito sei Dank.
Zum Essen noch: Die sénégalesischen Gerichte schmecken sehr gut, es gibt
überall frischen Fisch und Meeresgetier, aber man kann durchaus auch leckere und
echt gute Pizza und Nudelgerichte bekommen und natürlich französische Küche.
Das Frühstück ist fast überall ausschließlich französisch orientiert - was wir
beide zwar auch schätzen, aber wir vermissen da doch auch mal ein Ei, in welcher
Form auch immer, aber auch das findet man irgendwo.
Ja, und gute Musik liegt überall in der Luft, allem voran vom
Alt-Veteranen aus Dakar Youssou N'Dour und vielen, vielen anderen, die man in
Deutschland so gut wie bzw. leider gar nicht kennt, z.B. seine Schwägerin
Viviane, Souleyman Faye, Abou Thioubalo oder Assane Mboup.
An Reiseführern hatten wir den von Reise-Knowhow und den Lonely Planet
dabei, wobei Letzterer die bessere Wahl ist, da ausführlicher. Im Reise-Knowhow
sind einige Bemerkungen komisch, z.B. der Zusatzinfokasten zur
Malariaprophylaxe, der den Leuten wohl eher Angst machen soll - ich weiss auch
nicht, ein echt blöder, überflüssiger und wohl sehr subjektiver Kommentar (es
ging darum, dass einige von ihrer Prophylaxe angeblich geradezu berauscht bzw.
völlig bedröhnt und daneben waren ... - haben wir mit Malorone noch nie erlebt
und auch von niemandem gehört).
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